Depressionen
Allgemeines
Die Depression ist eine der häufigsten Erkrankungen unserer Zeit. Sie kann in jedem Lebensabschnitt auftreten und sich durch verschiedene Anzeichen bemerkbar machen. Unter Umständen sind Sie zum Arzt gegangen, weil Sie beispielsweise an Kopf-, Rücken- oder Magenschmerzen, an Schlafstörungen oder Müdigkeit litten.
Wahrscheinlich waren Sie aber auch schon einige Zeit traurig, depremiert, ängstlich, oder nervös, hatten aber dabei die Hoffnung, dass sich dieser Zustand legen würde. Es ist aber keine Besserung eingetreten.
Mit "Niedergedrücktsein" und leichteren depressiven Verstimmungen können Sie umgehen, da sie im allgemeinen ziemlich rasch wieder verschwinden. Die Depression im klinischen Sinne ist dagegen eine Stimmungslage, die Sie selbst nicht einfach ausschalten können. Sie ist eine Krankheit, die den ganzen Körper betrifft.
Woher kommt die Depression?
Es gibt verschiedene Arten der Depression. Depressionen können nach schweren seelischen Belastungen auftreten, z. B. nach dem Tod eines geliebten Menschen oder nach dem Verlust des Arbeitsplatzes. Bei Frauen kann sich auch nach einer Geburt eine länger anhaltende Depression entwickeln. Eine zweite Form kann durch schwere körperliche Erkrankungen ausgelöst werden. Schließlich sind mansche Depressionen teilweise erblich bedingt und können ohne erkennbaren äußeren Anlass auftreten.
Gemeinsam ist allen Formen, dass es dabei zu Funktionsstörungen im Gehirn kommen kann, bei denen das Gleichgewicht gewisser Überträgerstoffe (sogenannter Neurotransmitter) gestört ist.
Warum ich?
Eine Depression ist keine persönliche Schwäche und kein Unvermögen, mit etwas fertig zu werden, sondern eine Krankheit, die behandelt werden muss und behandelt werden kann. Die Frage "Warum ich?" könnten Sie sich also genau so gut Fragen, wenn Sie sich beispielsweise einen Fuß gebrochen hätten.
Wie kann der Arzt eine Depression behandeln?
Etwa 80% der Patienten, die an einer Depression erkrankt sind, kann mit einer entsprechenden Behandlung geholfen werden. Grundsätzlich gibt es drei Behandlungsformen: Zum einen die Behandlung mit antidepressiven Medikamenten, zum anderen die Gesprächs- und Psychotherapie (Verhaltenstherapie) oder auch eine Kombination beider Maßnahmen.
Im allgemeinen wird eine Depression heute mit Medikamenten, den sogenannten Antidepressiva, behandelt. Antidepressiva sollen das gestörte Gleichgewicht von Überträgerstoffen im Gehirn wieder normalisieren. Es handelt sich bei diesen Medikamenten nicht um Beruhigungsmittel. Sie führen auch nicht zu einer Abhängigkeit, sondern sind eine wirkungsvolle Hilfe, depressive Menschen zu einem normalen Leben zurückzuführen.
Sie werden sich unter der Behandlung mit Antidepressiva weniger ängstlich und entspannter fühlen. Normalerweise müssen Antidepressiva über einen längeren Zeitraum eingenommen werden. Ihr Arzt wird die erforderliche Behandlungsdauer festlegen.
Auch ein Gespräch über Ihre Gefühle, Ihr Empfinden, kann bei einer Depression helfen. Es verlangt aber Energie und Motivation, die möglichen Ursachen herauszufinden und sich mit ihnen zu befassen. Befindet man sich allerdings noch in einem ausgeprägten Stadium einer Depression, fällt einem aber gerade dies sehr schwer.
Oft ist es schwierig, selbst mit engen Freunden über die eigenen Probleme zu sprechen. Hier sind erfahrene Psychotherapeuten, die wirklich zuhören und verstehen können, eine wesentliche Hilfe. Darüber hinaus wird er mit Ihnen zusammen die Gründe Ihrer Depression und die Wege dort heraus erarbeiten
Wann geht es mir endlich besser?
Wichtig für Sie ist, zu wissen, dass die volle Besserung der Beschwerden unter der Behandlung mit einem Antidepressivum langsam eintreten wird. Im Gegensatz zu anderen Medikamenten benötigen alle diese Medikamente eine gewisse Zeit, bevor sie wirksam werden. Obwohl einige Ihrer Symptome sich wahrscheinlich innerhalb von ein bis zwei Wochen bessern werden, kann es mehrere Wochen dauern, bis die vollständige Wirkung des Antidepressivums einsetzt. Es ist wichtig, in dieser Zeit nicht den Mut und die Geduld zu verlieren. Ihre Familie, Ihre Freunde, Ihr Arzt und Therapeut werden Zeichen der Besserung schon bemerken, wenn Sie u. U. noch wenig davon zu spüren glauben.
Wichtig ist es auch, nicht zu früh mit der Einnahme der Medikamente aufzuhören. Selbst wenn Sie bereits beginnen, sich besser zu fühlen, sollten Sie die Behandlung so lange fortsetzen, wie es Ihr Arzt und Therapeut empfohlen hat. Es besteht sonst die Gefahr, wieder in die Depression zurüchzufallen. Auch sollten Sie nicht mehr Tabletten einnehmen, als Ihnen empfohlen wurde. Denn mit mehr Tabletten kann keine schnellere Besserung erzielt werden.
Wie bei anderen Medikamenten auch, können gelegentlich Nebenwirkungen auftreten, z. B. Übelkeit, Mundtrockenheit, Schwindel etc. Diese sind gewöhnlich leichterer Natur und bilden sich während der Therapie meist zurück.
Wenn die Nebenwirkungen aber zu störend sind, kontaktieren Sie bitte Ihren Arzt. Er wird gegebenenfalls das Antidepressivum gegen ein anderes ersetzen. Dies gilt auch, wenn eine Besserung nach mehreren Wochen Therapie ausbleibt oder sogar eine Verschlechterung Ihrer Depression eintritt.
Zusammenfassend: Wie bei jeder medikamentösen Therapie sollten Sie bei Fragen oder Unklarheiten Ihren Arzt kontaktieren.
Beipackzettel von Medikamenten
Das Verstehen des sogenannten Beipackzettels bereitet oftmals Probleme. Einerseits beinhaltet er eine Vielzahl von - für den Laien häufig unverständlichen - Fachausdrücken, andererseits werden darin zahlreiche mögliche Nebenwirkungen angesprochen.
Nicht selten trägt der Beipackzettel deshalb zu einer gewissen Verunsicherung bei. In manchen Fällen führt dies dazu, dass das Medikament vom Patienten - ohne Rücksprache mit dem Arzt - aus eigener Entscheidung abgesetzt wird.
Ganz allgemein - ein wirksames Medikament ohne jede Nebenwirkung ist auch heute noch ein erstrebenswertes Ziel. Leider gibt es solche Medikamente kaum. Je wirksamer ein Medikament ist, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass Nebenwirkungen auftreten können. Allerdings sind diese meist nur geringgradig ausgeprägt und verschwinden nach Absetzen des Medikaments. Nebenbei bemerkt: Auch pflanzliche Arzneimittel können zu unerwünschten Nebenwirkungen führen.
Ursache für das Auftreten von Nebenwirkungen ist das komplexe Zusammenspiel der verschiedenen Körpersysteme und Organe, das die Funktionsabläufe im menschlichen Körper aufrecht erhält.
Aufgrund der sehr hohen Sicherheitsanforderungen zählen Arzneimittel zu den am strengsten geprüften Produkten überhaupt. Sie müssen - um Qualität, Wirksamkeit und Unbedenklichkeit sicherzustellen - eine Vielzahl klinischer Prüfungen durchlaufen, ehe sie - meist erst nach mehreren Jahren - vom Arzt verschrieben werden können.
Im rahmen dieser Untersuchungen werden alle Nebenwirkungen genauestens erfasst, Systematisch werden weltweit alle entsprechenden Beobachtungen gesammelt und für den Arzt jederzeit abrufbar gemacht. Auch wenn sich das Arzneimittel in der Praxis bewährt hat, wird es weiterhin langfristig kontrolliert.
Aus rechtlichen Gründen müssen auf dem Beipackzettel - unabhängig von der Häufigkeit des Auftretens - alle Störungen der Befindlichkeit aufgeführt werden, die im Zusammenhang mit der Medikamenteneinnahme beobachtet wurden. Dies gilt selbst für Nebenwirkungen, die äußerst selten auftreten. Sogar wenn weltweit nur ein einziges Mal diese Nebenwirkung beobachtet wurde.
Sie sollten sich durch die Aufzählung dieser Nebenwirkungen nicht verunsichern lassen. Sie können vielmehr davon ausgehen, dass der Arzt vor Verschreibung eines Medikaments sorgfältig Nutzen und Risiko der von ihm gewählten Behandlung abgewogen hat. Eventuelle Begleiteffekte sind somit vertretbar.
Wenn Sie beim lesen des Beipackzettels fragen haben, wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt und Apotheker. Sie helfen Ihnen gerne weiter.
Was kann ich selbst tun?
Indem Sie zum Arzt und/oder einen psychologischen Psychotherapeuten gehen oder gegangen sind, haben Sie bereits den ersten und wichtigsten Schritt auf dem Weg zu Besserung getan. Gerade zu Beginn einer Erkrankung sollte diese Kontakte relativhäufig sein. Auch ein kurzes Telefongespräch kann zur Überwindung quälender Gedanken, oder auch zur Stärkung des Selbstwertgefühls hilfreich sein.
Da die Depression eine ernste Erkrankung darstellt, sollten Sie stets dem Rat Ihres Arztes bzw. Therapeuten folgen. Es gibt jedoch auch einiges, das Sie für sich selber tun können. Vielleicht können Sie von nachstehenden Ratschlägen profitieren. Bedenken Sie jedoch bitte, dass Sie bei dem Weg aus Ihrer Erkrankung stets nur sehr kleine schritte, die überschaubar sind, zurücklegen - nehmen Sie sich nicht zu viel auf einmal vor.
Versuchen Sie ...
- ... sich nicht zu Hause "einzuigeln" und von der Umwelt abzuschotten. Versuchen Sie über das, was Sie bedrückt mit Vertrauenspersonen zu sprechen. Es ist hilfreich, schmerzhafte Erlebnisse verschiedene Male wach werden zu lassen und sich auszuweinen. Dies gehört zum natürlichen Heilungsmechanismus.
- ... aktiv zu sein. Gehen Sie aus Ihrer Wohnung, machen Sie Spaziergänge, betätigen Sie sich körperlich, halten Sie sich fit. Sie werden merken, dass Sie dann auch besser schlafen können. Nehmen Sie sich - auch wenn Sie sich nicht arbeitsfähig fühlen - etwas vor. Machen Sie eventuell einen Plan zur Ausgestaltung des Tages oder der ganzen Woche. Auch "kleine" Aktivitäten, wie Zeitunglesen, Hausarbeit, Basteln, Einkaufen sind wichtig. Es wird Ihnen helfen, von schmerzhaften Empfindungen Abstand zu gewinnen. Sie werden sich weniger hilflos vorkommen. Denn wenn Sie sich von Ihren Emotionen völlig vereinnahmen lassen, werden Sie sich u. U. noch depressiver fühlen.
- ... größeren Alkoholkonsum zu vermeiden. Alkohol kann zwar vorübergehend Ihre Sorgen erleichtern und Sie förmlich ertränken. Dies ist aber nur ein kurzfristiger Effekt und keine Lösung. Zu viel Alkohol schadet vielmehr auch der körperlichen Gesundheit. Sie werden sich nach dem "Kater" noch depremierter fühlen. Übermäßiger Alkoholgenuss verhindert, richtige Hilfe zu finden.
- ... sich optimal zu ernähren, denn Menschen mit starken Depressionen können zu Gewichtsverlust und Vitaminmangel neigen. Frisches Obst und Gemüse sind zu bevorzugen.
- ... sich vor Augen zu führen, dass die Depression eine sehr häufige Erkrankung ist und dass sie viele andere Menschen überstanden haben. Und warum sollten Sie so viel anders sein, auch wenn dies für Sie jetzt im Moment nicht vorstellbar erscheint. Im übrigen kann eine durchgemachte Depression eine persönlich sehr wertvolle Erfahrung, eine Bereicherung darstellen. Zwischenmenschliche Beziehungen, Situationen, Entscheidungen u. U. klarer angegangen werden.