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Ergebnis: Studie zum Entscheidungsverhalten bei so

Ergebnis: Studie zum Entscheidungsverhalten bei so

Liebe Teilnehmerinnen und Teilnehmer,
Sie haben im Frühling dieses Jahres an einer Studie zum Zusammenhang zwischen Persönlichkeit und Entscheidungsverhalten teilgenommen, in der Sie verschiedene Fragebogen sowie drei Entscheidungsspiele bearbeiteten. Dabei interessierte mich besonders Ihre Tendenz, anderen Menschen zu vertrauen, fair und ehrlich mit anderen Menschen umzugehen und die sogenannte Verträglichkeit, d.h. die Tendenz, tolerant und vergebend gegenüber anderen Menschen zu sein. Außerdem machten Sie Angaben, die auf das individuelle Ausmaß an Sozialer Ängstlichkeit schließen lassen. Hat eine Person ein hohes Ausmaß an Sozialer Ängstlichkeit, findet man üblicherweise eine ausgeprägte und anhaltende Angst vor sozialen oder Leistungssiatuationen, in denen man beurteilt werden könnte. Zu der aktuellen Studie wurden sowohl Personen eingeladen, die erwartungsgemäß hohe Soziale Ängstlichkeit aufweisen als auch solche, die eher Normalwerte aufweisen.

Eine vermutete Ursache für zwischenmenschliche Probleme von Patienten mit Sozialer Angststörung ist ein reduziertes Vertrauen in andere und (demzufolge) eine eingeschränkte Kooperations-bereitschaft. Aus diesem Grund dienten die Entscheidungsspiele, die Sie bearbeiteten, der Erfassung von Vertrauen und kooperativem Verhalten. So wurden Sie im ersten Spiel gebeten, vorherzusagen, wie sich eine andere Person wohl verhalten wird, wenn Sie die Möglichkeit hat, Ihnen einen zugeteilten Betrag von 50€ wegzunehmen. Des Weiteren sollten Sie angeben, welchen Betrag Sie einsetzen würden, um sich davor zu schützen, dass die andere Person etwas von Ihrem Geld wegnehmen kann. Beide Angaben lassen Rückschlüsse auf die generelle Tendenz zu, anderen Menschen zu vertrauen. Je geringer das generelle Vertrauen in andere, desto eher sollte man erwarten, dass die andere Person etwas vom eigenen Betrag für sich nimmt, und desto eher sollte man bereit sein, sich mit einer Zahlung gegen die erwartete Ausbeutung zu schützen.
In einem zweiten Spiel wurden Sie gebeten, einen Betrag von 100€ zwischen Ihnen und einer Ihnen unbekannten Person aufzuteilen. Die Höhe des Betrags, den eine Person bereit ist abzugeben, sagt etwas darüber aus, wie fair eine solche Entscheidung ausfällt. Im dritten Spiel sollten Sie schließlich angeben, welches Angebot (von 100€) Sie mindestens von einer anderen Person erwarten würden, um dieses anzunehmen. Anhand dieser Angabe lässt sich schließlich abschätzen, wie vergebend und nachsichtig man typischerweise reagiert, wenn sich andere Personen unkooperativ verhalten.

Ziel der Studie war es, den Zusammenhang zwischen Sozialer Ängstlichkeit und Vertrauen bzw. kooperativem Verhalten zu untersuchen. Dabei zeigte sich, dass

1. Soziale Ängstlichkeit mit geringem Vertrauen in andere einhergeht (sowohl im Hinblick auf Erwartungen an andere als auch im Hinblick auf eigenes Schutzverhalten).

2. Soziale Ängstlichkeit mit geringeren Werten in Verträglichkeit und (infolgedessen) einer geringeren Tendenz zu vergebenden und nachsichtigen Reaktionen einhergeht.

3. Soziale Ängstlichkeit nicht mit einer geringen Tendenz einhergeht, sich anderen gegenüber fair zu verhalten.

Zusammengefasst lässt sich also sagen, dass Menschen mit hohen Ausprägungen in Sozialer Ängstlichkeit genauso fair sind wie andere Personen, aber sowohl Probleme haben, anderen zu vertrauen als auch anderen Menschen zu verzeihen, wenn diese sie ungerecht behandelt haben. Die Ergebnisse zeigen auch, dass eine Verbesserung der Fähigkeit zu vertrauen und nachsichtig zu reagieren, einen möglichen Ansatzpunkt zur Bearbeitung von zwischenmenschlichen Problemen von Patienten mit Sozialer Angststörung innerhalb der Therapie darstellt.

Ich hoffe, dass ich Sie mit diesen vielversprechenden Ergebnissen auch zur weiteren Unterstützung von Forschungsarbeiten motivieren konnte.

Noch einmal herzlichen Dank an die 499 Teilnehmerinnen und Teilnehmer!

Freundliche Grüße,
Isabel Thielmann, M.Sc.
Universität Mannheim
Center for Doctoral Studies in Social and Behavioral Sciences